Der Trugschluss der KI-Ladenfront
Der Trugschluss der KI-Ladenfront
KI fällt auf
Ich erkenne sie auf einen Blick: KI-erzeugte Bilder, Videoclips, Texte. Jeder mit einem Modikum an Erfahrung mit LLMs (Large Language Models) wird mir schnell recht geben und selbst unerfahrene User bemerken schnell, dass da "irgendetwas nicht stimmt".
Für mich fühlen KI-Inhalte unwirklich, gar unheimlich an. Bestimmt gibt mir der ein oder andere hier recht. Der Effekt erinnert an die "uncanny valley". Die Inhalte wirken echt und menschlich, jedoch mit kleinsten Fehlern.
In Bildern sieht man das am Schnellsten: Eine Vitrine mit Gläsern, die auf den ersten Blick normal erscheint, enthält bei genauerem Hinsehen deformierte Gläser. Ein Fliesenboden hat hier und da ganz unstimmige Fliesengrößen und Fugen. Hände haben zu viele Finger, ein Hals ist doppelt so lang wie er je sein könnte, ein Kind hat plötzlich drei Beine.
Mit Texten verhält es sich ähnlich. Die Wortwahl, die Satzstruktur und einhundert andere kleine Details lassen die KI sofort auffliegen. Ist euch schon einmal aufgefallen, wie oft das Wort "vibrant" in englischen generierten Texten vorkommt?
Das Problem mit KI-Inhalten
Wir wissen, dass sie auffallen, aber was richten sie an? KI-Inhalte geben dem Benutzer den Eindruck mangelnder Qualität. Es wurde nicht die Zeit investiert, nicht der Mitarbeiter bezahlt, um ansprechende und angemessende Texte, Bilder, oder Videos zu erzeugen. Welches Produkt beworben wird, ist nebensächlich.
Hier geht es auch um Respekt. Möchten wir wirklich so mit der Zeit unserer Benutzer umgehen? Ihnen KI-Slop servieren, statt die Stunden zu investieren und etwas selbst zu schaffen?
Der Benutzer, der potenzielle Kunde, wird sich damit nicht auseinander setzen wollen. Der sagt vielleicht einfach "Claude, gib mir eine Zusammenfassung dieser Website". Und schon drehen wir uns im Kreis: Ein paar Prompts erzeugen Texte, ein paar weitere fassen sie zusammen. Plötzlich interagieren nur noch Agenten und wir Menschen sind außen vor. Mir geht es hier nicht um düstere Zukunftsvisionen wie Terminator oder Matrix, aber was für den Menschen erzeugt wird, sollte vom Menschen erzeugt sein.
Mein Versprechen
Alles, das von Menschen angesehen, gelesen oder anderweitig konsumiert wird, erzeuge ich selbst.
Das mag länger dauern und mehr Arbeit sein, bisweilen auch nicht immer super aussehen (Der beste Bildbearbeiter bin ich noch nicht), aber immerhin ist es echt. Folgendes möchte ich euch vorschlagen, egal aus welcher Branche ihr kommt und welchen Hintergrund ihr habt.
Nutze KI für
- Inspiration: Prompts können Ideen liefern und KI-Modelle können deine Ideen prüfen und diskutieren.
- Recherche: Es gibt keine bessere Suchmaschine als ein LLM. Stunden an Googlen verwandeln sich in Minuten.
- Automatisierung: Nutze KI für repetitive Aufgaben oder zum Erzeugen von Scripts für Automatismen. Solche Aufgaben habe ich früher im Job immer als "Monkey Work" betitelt.
- Code: Als Entwickler liegt mir das am Herzen. KI kann schnell Code erzeugen, aber muss richtig geleitet werden. Jeder KI-Code benötigt Review, aber für Boilerplate und Algorithmen sind LLMs unschlagbar.
Finger weg von KI bei
- Texten: Wer Leser möchte, sollte schreiben.
- Bildern: Lerne Bildbearbeitung, probiere dich in Fotografie aus, bezahle Fotographen oder falle auf Stock Images zurück.
- Videos: An eigene Aufnahmen und Bearbeitung kommt keine KI heran.
- Audio: Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als KI-Musik. LLMs als "Vorleser" klingen auch unwirklich.
- Code: Kam das unerwartet? Hier lohnt es sich, zu differenzieren: Erzeuge Code für Business Logic, aber nicht für UI-Elemente und CSS. Ich erkenne eine KI-Anwendung sofort. Benutze Frontend-Frameworks und Libraries, die sehen ohnehin besser aus.
Fazit
Am Ende kann man sich es ganz leicht machen. Wenn ein Benutzer damit interagiert, macht man es besser selbst. Und jetzt mache ich eine kleine Pause, denn so einen Blogeintrag zu schreiben ist eine ganze Menge Arbeit. Euch hat es hoffentlich gefallen, etwas Authentisches zu lesen.